Dr. Thomas Ulmer MdEP
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Energiefusion in Frankreich von der EU kritisch aufgenommen

Nachdem das politisch heikle Vorhaben achtzehn Monate lang auf seine Umsetzung warten musste, fusionierten nun in Frankreich Gaz de France und Suez zu einem der größten Energiekonzerne der Welt. Das Staatsunternehmen Gaz de France (GdF) mit 50.000 Mitarbeitern bringt das europaweit größte Vertriebsnetz an Gasleitungen ein, die über 150 Jahre alte Suez versorgt hingegen viele Städte in Frankreich und auf der ganzen Welt mit Wasser.

Doch sowohl in Frankreich als auch in der Europäischen Union wird die Fusion kritisch bewertet: Auf der einen Seite wird in Frankreich die schleichende Privatisierung des Unternehmens befürchtet. So nannte auch der sozialistische Oppositionsführer Hollande die Fusion "absurd", da Frankreich nun eine eigene Privatkonkurrenz zum staatlichen Energieriesen (EdF) schaffe. Auf der anderen Seite stößt die Fusion auch in Brüssel auf Unmut. Die EU-Kommission verfolgte kritisch das Manöver der französischen Regierung, durch die Fusion die Übernahme von GdF durch ein ausländisches Unternehmen, den italienischen ENEL-Konzern zu verhindern.

Solchen Protektionismus dürfe es im europäischen Binnenmarkt nicht geben, schließt sich der Europaabgeordnete Dr. Thomas Ulmer der Meinung der Kommission an. Für ein formales Verfahren gegen Paris fehlten aber die Beweise. Paris hatte jeden direkten Einfluss abgestritten.

Auch die deutschen Energieunternehmen kritisierten ungleiche Wettbewerbsbedingungen, so ein Sprecher des Energiekonzerns Eon: "Da schmiedet der französische Staat größere Einheiten, während in Deutschland über die Marktmacht der großen Energiekonzerne gestritten wird. Für die Politik des europäischen Binnenmarktes kann man da schon ein Fragezeichen setzen." Eon wollte kürzlich den spanischen Endesa-Konzern übernehmen, scheiterte aber am Veto der Regierung in Madrid.

© Dr. Thomas Ulmer 2017