Dr. Thomas Ulmer MdEP
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Beim Schalten in den dritten Gang fiel das Radio aus - Dr. Thomas Ulmer sparte sich jahrelang das Geld für den 5200 Mark teuren Citroën GS zusammen / Franzose mit Hydropneumatik

Bericht der Fränkischen Nachrichten (Redaktionsmitglied Sabine Braun)

"Um den bin ich lange rumgeschlichen", erinnert sich Dr. Thomas Ulmer an sein erstes Auto, den beige-farbenen Citroën GS mit den ausgefallenen, fließenden Formen. Zum Überlegen hatte er auch reichlich Zeit: Es dauerte Jahre, bis der 17-Jährige, heute Allgemeinarzt in Mosbach und Europaabgeordneter für den Bezirk Nordbaden, die 5200 Mark für seine "Franzosenschaukel", Baujahr 1971, zusammen hatte.

"Ich habe Nachhilfe gegeben und in allen Ferien beim NEZ, unserem ersten großen Supermarkt in Neckarelz, für drei Mark die Stunde Regale ausgewischt und eingeräumt", erinnert sich Thomas Ulmer im Gespräch mit den FN. Den Führerschein hatte er schon in der Tasche, bevor er 18 war. "Fünf Pkw-Stunden, eine Stunde mit dem Motorrad, Theorieprüfung, das war alles". Ausgehändigt bekam er das Dokument aber erst zum 18. Geburtstag, am 25. Juli 1974. "Morgens um 8 bin ich dann im Landratsamt gestanden", schmunzelt Ulmer.

Seine ersten Fahrten führten ihn allerdings nicht weit: "Ich bin erstmal in Mosbach rumgefahren, dann habe ich natürlich die Schulfreunde abgeklappert und habe sie alle ins Auto reingeladen".

Und wie saß es sich im ersten eigenen Wagen? "Ein klassischer Franzosensitz", lacht Dr. Ulmer. "Alles hellbraun, die Sitze furchtbar weich, da ist man eingesunken wie im Sofa; da hatte man wenig Halt". Auf den freien Straßen des Landkreises machte das Autofahren riesigen Spaß. "Reguliert" sei der Verkehr damals kaum gewesen, Geschwindigkeitsbegrenzungen waren eine Seltenheit.

"Da war die Verlockung schon groß, Wettrennen zu fahren", gibt Ulmer zu. Schließlich: Sein Citroën brachte es bei 55 PS auf ganz ordentliche 160 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Dabei schluckte der Wagen aber auch "ohne Ende Benzin": Bis zu 13 Liter.

Das summierte sich dann schon, auch wenn Tanken billig war: "Der Sprit kostete 49 Pfennig", erinnert sich Autofan Ulmer noch heute an den ständigen, bangen Blick auf die Spritpreisanzeige.

Nur ein Jahr hielt er dem Citroen die Treue: "Zu reparaturanfällig", zu viele Mucken. "Wenn man in den dritten Gang schaltete, ging schon mal das Radio aus", erinnert er sich schmunzelnd an die vom Vorbesitzer, einem Elektrobastler, verursachten interessanten Effekte.

Und die Hydropneumatik des GS kostete den jungen Fahrer in irgend einem Acker den Auspuff. . .

Ulmers Nächster war ein "halbstarker Opel Kadett GT in schwarz-gelb", eine "endlose Reihe" folgte.

Was gleich geblieben ist, ist die Leidenschaft fürs Autofahren. Besonders auf der Route nach Brüssel.

"Da fahren sie schon mal eine Stunde, ohne einen Laster zu sehen", berichtet Ulmer. "Die Strecke ist sogar noch leerer als die nach Würzburg".

Und das will wirklich was heißen.

© Fränkische Nachrichten - 18.08.2007

© Dr. Thomas Ulmer 2017