Dr. Thomas Ulmer MdEP
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Entwicklung spezieller Kinderarznei

Nach zähem Ringen hat das Europäische Parlament den Weg für die Entwicklung spezieller Kinderarznei endgültig freigemacht. Übergeordnetes politisches Ziel ist es, mit einer solchen Verordnung endlich ganz spezielle, für Kinder geeignete Arznei zu entwickeln. Bisher mussten die Mediziner mangels Alternative den kleinen Patienten herkömmliche Arznei verschreiben. "Kinder haben aber einen völlig anderen Organismus als Erwachsene", erklärte Dr. Thomas Ulmer in seiner Rede vor dem Straßburger Parlament. "Man kann Kinder medizinisch nicht als kleine Erwachsene betrachten, indem man bei einem Medikament lediglich die Dosis verringert.", warf Ulmer seinen medizinischen Sachverstand in die Waagschale. Hintergrund der jahrelangen Flaute auf dem Forschungsgebiet Kinderarzneimittel war eine fehlende Regelung zum Patentschutz für forschende Arzneimittelhersteller, die keine Möglichkeit mehr sahen ihre Forschungsinvestitionen zu amortisieren. Unterdessen hatten wichtige Wirtschaftsräume wie die USA und Kanada längst den Anfang gemacht und den entsprechenden Investoren eine Verlängerung ihres Patentschutzes um sechs Monate gesetzlich zugesichert. Die Auswanderung der forschenden Arzneimittelindustrie stand also ebenfalls kurz bevor. "Mit dieser Verordnung wird Europa den Rückstand gegenüber dem Rest der Welt wettmachen", zeigt sich Ulmer überzeugt. Trotz allem gestalteten sich die Verhandlungen im Vorfeld der endgültigen Verabschiedung nicht gerade einfach. So gab es bis zum Schluss verschiedene Vorschläge über die Länge des patentgeschützten Zeitraums. Letztendlich hat man sich in Europa ebenfalls auf eine sechsmonatige Verlängerung verständigt, um so weder für die forschende Arzneimittelindustrie, noch für die Hersteller von Generika einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Nordamerikanern zu riskieren. Zahlreiche Vorschläge zu einer Kombilösung, beispielsweise zunächst 3 Monate Patentschutz und nach einer Prüfung weitere 3 Monate Verlängerung, wurden mit dem Hinweis auf zu viel Bürokratie und massive juristische Bedenken verworfen. "Mit Sicherheit hatten auch diese Vorschläge ihre Berechtigung", so Ulmer, "wir können aber eine so wichtige Verordnung nicht an Kleinigkeiten scheitern lassen". Ulmer hob außerdem hervor, dass die sechsmonatige Verlängerung des Patentschutzes nicht mehr von einer Zulassung des Arzneimittels in allen Mitgliedsstaaten abhängt. "Sollte ein Mitgliedsstaat einem bestimmten Arzneimittel die Zulassung ganz verweigern, so ist das für die Verlängerung des Patentschutzes nicht von Belang", so Ulmer.

© Dr. Thomas Ulmer 2017